Vielen Dank für Eure Solidarität! Karls Knastagebuch – Teil 4

Liebe Leser*innen, Lieber Unterstützer*innen,

Vielen Dank für Eure Solidarität mit Karl und seiner Aktion! Die Unterstützung, die sich durch Briefe und Postkarten, durch Lesen und Teilen des Blogs und der Presseartikel, aber auch durch die zahlreichen Spenden auf das Spendenkonto äußert, ist wirklich umwerfend. Insgesamt haben schon über 70 Menschen einen oder mehrere Hafttage für Karl übernommen, sodass Karl nun wie geplant am 11.02. seine Haft beenden kann. Was über die benötigte Summe hinaus gespendet wird, geht auf Karl’s Wunsch an den Rechtshilfefond Kritisches Stuttgart, um ähnliche Aktionen auch in der Zukunft zu unterstützen.

Zur weiteren Information: https://kritisches-stuttgart.de/

Neues aus der Anstalt Teil 4 – Kempten, den 29.01.19

Hallo, ihr da draußen in der „Freiheit“,

vielen Dank für eure netten Postkarten und Briefe. Es ist ein gutes Gefühl, diese Solidarität spüren zu dürfen. Das gibt mir Kraft und die Reflektion, dass die Aktion auf jeden Fall bei mehreren Menschen aus der Bewegung ankommt. Mit zwei Zeitungsartikeln, einer im Allgäuer Boten schon am 22.1. und einem Artikel im Kreisbote Kempten, 26.1. , habe ich das Thema Stuttgart 21 wieder in die Allgäuer Region gebracht. Was die Artikel bei den Menschen, die sie lesen, auslösen, das weiß ich natürlich nicht. Es ist wie bei allen unseren Aktionen und Demos ein weiteres Zeichen, dass es Zeit wird endlich auf zu hören. Und dass es uns wirklich ernst ist. Die Summe all dieser Zeichen wird hoffentlich einen Wandel hervorbringen.

Gestern Abend bei der 450. Montagsdemo wäre ich gerne dabei gewesen. Vor allem der Beitrag von Petra Reski zu den Hintergründen des Murksprojekt und den Verbindungen zur Mafia hätte mich sehr interessiert. Vor zwei bis drei Jahren hatte ich Petra Reski in Waiblingen bei einer Veranstaltung gehört, mich haben die Einblicke damals tief bewegt, ja auch ein wenig Angst gemacht. All diese Entwicklungen bedürfen einer großen Öffentlichkeit und einem „wehret den Anfängen“. Auch dafür kämpfen wir.

Heute möchte ich euch ein bisschen was vom Alltag des Knastlebens schreiben, z.B. vom Essen. Morgens gibt es heißen Tee, ich hole mir immer zwei Liter für den ganzen Tag, entweder Hagebutte oder einen braunen Tee – die Sorte ist undefinierbar. Dazu gibt es fünf Brotscheiben, Roggenmischbrot oder helles Weizenbrot vom Vortag und die Margarine mit Marmelade (rotes Gelee). Mittags gibt es meist vegetarisches Essen: Kartoffeln, Reis oder Nudeln mit Gemüse, Spaghetti und am Freitag gab es Fisch (vegetarisch?). Abends liegt auf dem Tablett meist eine dicke Scheibe Butterkäse und fünf Scheiben Brot. Mehrere Inhaftiert kochen sich abends auch noch etwas aus ihrem eingekauften Vorrat auf der bereitgestellten Kochstelle. Für mich als Kurzinhaftierten lohnt es sich zeitlich nicht, noch extra Lebensmittel über einen Bestellzettel zu kaufen.

In den ersten Tagen suchte ich noch keinen Kontakt zu irgendwelchen Mithäftlingen. Mittlerweile kommt man sich bei den Hofgängen doch immer näher. Heute habe ich lange mit einem Menschen aus Rumänien gesprochen. Wenn ich erzähle, dass ich nur 21 Tag hier bin, schmunzeln sie nur und bezeichnen den Aufenthalt als Kurzurlaub. Laut Informationen eines Mithäftlings sind in Kempten nur Menschen, die nicht länger als drei Jahre festsitzen. Interessant ist die Reaktion bei der Frage des Haftgrundes. Es kommt meist ein Nachsatz wie „selber Schuld“: Das war’s. Mehr wollen sie darüber nicht sprechen. Gleichzeitig sind alle sehr entgegenkommend und schenken sich gegenseitig Brote und Kaffee.

Heute Mittag kam bei mir die große Sehnsucht nach draußen, nach Freiheit und der Sonne auf, als diese mehrere Stunden schien. Wäre ich in der Freiheit gewesen, wäre ich bestimmt mit Langlaufskiern im wunderschönen Allgäu direkt vor meiner Haustür unterwegs gewesen. Das läuft mir nicht weg. Erfahrungsgemäß bleibt bei uns der Schnee bis Ende März liegen.

Macht’s gut, ihr alle!

Karl

P.S. Bitte schickt mir 70ct Briefmarken!

Zum weiterlesen über Petra Reski – Stuttgart 21 und die Mafia: https://www.petrareski.com/2019/01/31/stuttgart-21-und-die-mafia/

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